Zutiefst bewegendes Psychogramm

[Benedikt von Peter] findet einen Inszenierungsansatz, der ohne Umdeutung des Inhalts und ohne in der bei Regisseuren so beliebten Umsetzung der Handlung in die Gegenwart zunächst verblüfft, beim Lesen des Programmhefts ungläubige Skepsis hervorruft und schließlich restlos begeistert. »La traviata« wird zu einem Triumph der Musik, zu einem zutiefst bewegenden Psychogramm und zu einem überragenden Erfolg für Darstellerin der Titelrolle, Nicole Chevalier. Ganz alleine steht sie über zweieinhalb Stunden ohne Pause auf der Bühne in ihrer karg möblierten Wohnung (Bühnenbild Katrin Wittig) und bewegt mit hinreißendem Gesang, glockenrein und ausgeprägt in den Spitzentönen, ungemein anrührend in den dynamischen Schattierungen bis hin zu feinsten Pianissimi in schwindelnden Höhen und mit einer musikalischen Intensität und schmerzlicher Innigkeit, wie man sie wohl nur selten zu hören kriegt. Hinzu kommen differenzierte Darstellungskunst und eine Bühnenpräsenz, die zu Herzen geht. Fantastisch. Stehende Ovationen. [...] Wer wissen will, was Oper emotional wirklich zu leisten vermag, sollte sich diese Aufführung nicht entgehen lassen.

+ 22.09.11 + Cellesche Zeitung + Hartmut Jakubowsky +

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