Carmen schön scharf

» ›Carmen’ in Zeiten der Globalisierung: Das Premierenpublikum feierte die in jeder Hinsicht stimmige Regie von Monique Wagemakers und ein Ensemble in Bestform. [...] Szeneapplaus, als er [Brian Davis als Escamillo] die Gittertreppe mit echter Elvis-Motorik herabschreitet und das Torrero-Lied (›Auf in den Kampf...’) mit dem nötigen Uffa singt. Verführung pur. [...] Micaela (Arantxa Armentia) ist dabei ein kleines, aber überaus gut singendes Schulmädchen. [...] Packendste Szene ist der Beginn des vierten Aktes. Der Grenzzaun ist beweglich, die farbstark gewandeten Migranten (Oxfam!) machen den Raum eng, schieben den Maschendraht bis an die Bühnenrampe, lassen nur einen schmalen Schlauch frei fürs Finale – in dem Carmen den eigenen Tod geradezu herausfordert. Wunderbar dramatisch setzt Dirigent Jahbom Koo die Partitur um, die Ouvertüre klingt wie hochartifizielle Zirkusmusik, die Einleitung zum dritten Akt hat den nötigen Schmelz. Den meisten Applaus gibts aber für Khatuna Mikaberidze, die als Titelfigur alle vulgären Seiten vermeidet, eine Carmen gibt, die auch stimmlich weiß, was sie will. Annähernd so viel Beifall für Pedro Velázquez Díaz als Don José, der sich vom ersten Akt über die Blumenarie bis zum großen Finale gewaltig steigert.«

+ 28.04.2008 + Neue Presse + Henning Queren +

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