Gefangene der Gefühle

»[…] Da ist Wagemakers besonders stark in dem, was sie nicht macht: Da schleppt keine Schmuggelbande einen langen Chor lang Säcke über unwirtliches Gelände – schließlich kann man den ›falschen’ Schritt auch metaphorisch machen. Und im vierten Akt gibt es keinerlei Stierkampffolklore. Wagemakers konzentriert sich ganz auf den Konflikt der Abhängigkeiten, auf die Gefühlsbindungen und die Entfesselungsversuche der Beteiligten. Und weil Josés Ziehschwester Micaëla [...] den armen José im Konflikt zwischen Pflicht und Neigung so irritiert, ist es fast naheliegend, dass José sie – aus Versehen? – erschießt. […] Bei der Premiere führen das Arantxa Armentia und Pedro Velázquez Díaz [...] intensiv vor. [...] Pedro Velázquez Díaz macht den Getriebenen, den Verstörten und Zerstörten glaubhaft [...]. Khatuna Mikaberidzes Carmen ist Freigeist und Fatalistin: wenn die Liebe ein rebellischer Vogel ist, wie sie in ihrer Habanera verkündet, dann verleiht sie ihm Flügel. Brian Davis ist ein viriler Escamillo [...], die handyhörigen Zigeunerinnen Frasquita und Mercédès sind mit Hinako Yoshikawa und Barbara Senator luxuriös besetzt, und auch die Schmuggler Dancairo (Daniel Ohlenschläger) und Remendado (Jörn Eichler) haben nichts zu verbergen. Garanten des Erfolgs sind das durchwegs geistesgegenwärtig aufspielende Staatsorchester und die von Dan Ratiu bestens präparierten Chöre. Weshalb Dirigent Jahbom Koo mindestens so viel Beifall erhält wie das Regieteam. [...]«

+ 28.04.2008 + Hannoversche Allgemeine Zeitung + Rainer Wagner +

zurück zu »Carmen«