XXL-Format

Dem wendigen, am Seil so geschickten Jami Reid-Quarrell als chaotischem Puck gebührt großes Lob – und das nicht nur wegen der akrobatischen Einlagen, sondern auch wegen seiner schauspielerischen Leistung, die zwischen draufgängerischem Tun und einer weiblichen, zarten Seite changieren. Als Oberon umschmeichelt William Towers besonders mit seinen Spitzentönen das Ohr. Heather Engebretsons schauspielerischer Höhepunkt ist zweifellos die Liebesszene mit dem als Esel verzauberten Bottom, dessen Part Frank Schneiders übernimmt. Mit betörend-leichtem Koloratursopran umgarnt sie ihn, bis sie am nächsten Tag – vom Zauber erlöst – ihren Fehler einsieht. Schneiders gibt den Bottom mit viel Humor, Energie und Fantasie; kein Wunder, dass Lysander, gespielt von Sung-Keun Park, und Hermia, gegeben von Hanna Larissa Naujoks, so großen Spaß an der Aufführung haben. Park singt mit schönen Linien, Naujoks lässt ihren gut fokussierten Mezzo immer wieder voll aufblühen. […]

 

Jede Personengruppe hat ihren eigenen Klang, damit sie für den Zuschauer unverwechselbar bleibt. Karen Kamensek setzt diese sphärische, von Glissandi dominierte Musik sehr gelungen um und hüllt das Publikum in einen mystischen Klangraum mit Glockenspiel, Harfen und Streichern ein. Dazu bezaubert der von Dan Ratiu einstudierte Kinderchor mit hellen klaren Stimmen das Publikum und entführt es in eine Welt, in der Realität und Traum verschwimmen. Erst der tosende Schlussapplaus holt alle ins Hier und Jetzt – eine absolut fantastische Aufführung.

+ 02.04.2014 + ww.opernnetz.de + Agnes Beckmann +

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