German Horror Picture Show

Karen Kamensek unternimmt in Hannover mit Webers "Freischütz" eine Höllenfahrt in den nationalistischen Untergrund

Die scheunentoroffene Dramaturgie dieses halben Singspiels kommt dem Theatermann Voges natürlich entgegen. Er kann mit dem "Freischütz" tun, was weder Schlingensief (dessen Kameramann Voxi Bärenklau für die Videos verantwortlich ist) mit seinem Bayreuther "Parsifal" tun konnte noch Castorf mit dem "Ring". Beide stehen Pate bei Voges' nationaler Nachtgespensterveranstaltung. Voges veranstaltet eine szenische Collage, einen deutschnationalen Bilderbogen mit vager, ironisierter Anbindung an den Plot vom "Freischütz".

 

Die Musik hat bei diesem Mummenschanz genau zwei Möglichkeiten: Wegducken oder Mitmachen. Karen Kamensek hat sich fürs Mitmachen entschieden. Und sie tat gut daran. Denn die Zerrissenheit spiegelt sich natürlich auch in der Partitur. Und so hat man Webers waghalsige, manchmal fast wahnhafte Parade der Tonfälle noch selten so scharf in ihrer stilistischen Gezacktheit gehört wie hier, weil sie widerspiegelt, was man an waghalsigem Wahn auf der Bühne sieht.

 

Die Brüche der Partitur leuchten. Gesungen wird mehr als ordentlich. Eric Laporte schont sich nicht, ist immer Herr seiner stimmlichen Ressourcen und haut einen Max hin, wie man ihn in dieser psychologisch exakten Ekligkeit noch nie gesehen hat.

+ 14.12.15 + DIE WELT + Elmar Krekeler +

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