Poulencs "Dialogues des Carmélites"

 

Mittels ausgeklügelter Personenführung und kleiner und kleinster Gesten zeichnet Hilsdorf präzise Charakterbilder der einzelnen Protagonisten und ihrer vielschichtigen Beziehungen untereinander und schon im Laufe der Aufführung überzieht den Zuschauer mehrfach ein Schauer.

 

Valtteri Rauhalammis Dirigat zeichnet sich durch eine wunderbare Stringenz und Klarheit aus, mit der er den Sängerinnen einen farbenreichen Teppich für ihre Kunst bereitet.

 

Absolut gleichwertig und von höchster Qualität sind Gesang und Spiel der Damen, und dank der präzisen Arbeitsweise des Regisseurs wächst jede einzelne auch darstellerisch über sich hinaus.

Die Blanche von Dorothea Maria Marx ist eine Wucht. Monika Walerowicz glänzt als Mère Marie mit intensiver Darstellung und ist sicher die beste "Version" dieser Rolle, die ich in dieser Spielzeit an vier Häusern habe sehen dürfen.

In absoluter Bestform zeigt sich auch Kelly God als Madame Lidoine. Renate Behle war schon auf allen großen Bühnen der Welt zu sehen. Dass sie nun an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehrt, ist ein großes Glück. Ania Vegry ist eine spritzige Constance. Für Blanches Bruder hat sich Poulenc einen Mozart-Tenor gewünscht, und genau das ist Simon Bode. Sein lupenreiner, schlanker Tenor ist mit seiner feinen und so klaren wie unangestrengten Höhe wie gemacht für diese Rolle.

+ 04.06.2018 + www.deropernfreund.de + Jochen Rüth +

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