Schöne Aussichten

»[...] Seit Michael Klügl Intendant der hiesigen Staatsoper ist, wird Unterhaltung ernst genommen: Da wird geklotzt. Auch diese dritte Produktion ist hoch professionell – und vor allem: höchst amüsant. Friedrich Eggert hat ein überdimensioniertes Puppenhaus als Bühnenbild gebaut, das sich hebt und senkt (im Keller ist das Sprachlabor). Und Nicole von Graevenitz darf für ihre Kostüme so richtig voll in die Kiste greifen und bekommt nicht nur für die Hüte auf der Pferderennbahn Szenenapplaus. Mutter Higgins (Gertraud Wagner) tritt erst wie Dame Edna auf und ballert später wie die schießfreudige Niki de Saint Phalle durch die mit Nanas möblierte Gegend. [...] Die umwerfende Winnie Böwe findet dafür die richtigen Töne und Zwischentöne, sie ist nicht nur stimmlich agil. Kein Wunder, dass der selbst erklärte Frauenfeind Higgins recht früh entwaffnet ist: Klaus Schreiber gibt ihm mehr jungenhaften Charme als professorale Seriosität. Frank Schneiders als Elizas Vater ist angemessen proll-jovial, Ivan Tursic darf als Freddy hinschmelzen und im Wortsinne den Rasen sprengen. Roland Wagenführer gibt als Pickering punktgenau Stichworte und Carola Rentz als Fräulein Pearce ungeahnte Einblicke. Der Chor ist nicht nur stimmlich beweglich. Und das Orchester unter dem gewohnt reaktionssicheren, flexiblen und stimmungsfördernden Lutz de Veer lässt die Melodien blühen. Ob Männer und Frauen wirklich zusammenpassen, klärt auch dieser Theaterabend nicht. Aber beide Geschlechter stimmen in den langen und lauten Beifall ein.«

+ 05.10.2009 + Hannoversche Allgemeine Zeitung + Rainer Wagner +

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