Reichlich Spaß im Barbiepuppenhaus

»Satte zwölf Minuten Applaus: In der Staatsoper hatte das Musical »My Fair

Lady« Premiere – knalligbunt und herrlich durchgedreht inszeniert. Die schönste Szene? Vielleicht diese hier: Wir sind in Ascot, eine gigantische grellgrüne Rasenkaskade steigt dreistufig bühnenbreit in die Höhe und dann – plopp – diese unzähligen, unglaublichen Hüte. Riesige Blumen, Blüten, Fantasietiere sitzen auf den Köpfen des versammelten Chores. So etwas macht einfach Spaß, Szenenapplaus bei »My Fair Lady«. Eigentlich kann man sich gar nicht vorstellen, was man aus dem ein wenig angestaubten Klassiker von Frederick Loewe heute noch machen könnte. Die Geschichte – Gossengöre wird zur Lady und heiratet ihren Macher – ist ja nun auch nicht mehr so richtig aufregend. Es kommt eben auf das Wie an – und da hat die Oper mit Regisseur Bernd Mottl einen Glücksgriff gemacht. Denn der dreht die Komödie bis zum Anschlag, soweit, dass auch gelinde Musical-Verächter sich freuen können. Das Ganze spielt in einem himbeerfarbenen Barbiepuppenhaus. Dreistöckig – in diesem Musical darf Hannovers bundesweit vorn stehende Bühnentechnik mal zeigen, was sie draufhat. [...] Der detailreiche Spaß mit der technischen Spielerei geht natürlich nur auf, wenn die Kulissen mit Leben gefüllt werden. Die Sänger-Schauspieler sind klasse, allen vorweg Winnie Böwe als rotzige Eliza Doolittle und Klaus Schreiber als schneidig-arroganter Prof. Henry Higgins, der auch bewegungsmäßig ganz vorn ist, Frank Schneiders als prolliger Eliza-Vater, Roland Wagenführer als Oberst Pickering, Carola Rentz als Fräulein Pearce und Gertraud Wagner als schussfeste Mutter Higgins. Und das Happy-End spielt in einem Wundergarten mit Nanas und einer knackigen Toyboy-Anspielung (Bart Haupt) auf den »Käfig voller Narren«. Der Berliner Göre hat sich in eine miniberockte Lady Di verwandelt. Ungeteilter Jubel für alle Darsteller, Dirigent Lutz de Veer und das Regieteam. Die »faire Lady« dürfte eine der begehrtesten Ansichtssachen auf dem Opernspielplan werden.«

+ 05.10.09 + Neue Presse + Henning Queren +

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