Die knallig-bunte Welt der Eliza Doolittle

»[...] Selten wohl gab es so viele Lacher im Opernhaus Hannover, selten war das Publikum so vergnügt und selten ist ein solcher Sturm der Begeisterung über die Darsteller auf der Bühne, über das niedersächsische Staatsorchester unter der Leitung von Lutz de Veer und über das gesamte Regieteam hinweggefegt wie beim Premiereabend am vergangenen Wochenende.

Die Inszenierung von Bernd Mottl strotzt geradezu von guter Laune und blitzenden Einfällen, betont den Charme der Texte, schwelgt in aufwändig bunten Kostümen, die in den fantastischen Hutkreationen beim Pferderennen in Ascot ihren Höhepunkt erreichen (Nicole von Graevenitz), und bezieht einen großen Teil der Bühnentechnik für spektakulär flinke Szenenwechsel mit ein. Friedrich Eggert hat dazu die Bühne vertikal von unten nach oben eingerichtet und lässt den Blick in die U-Bahnstation, in der Eliza Doolittle ihre Plastikblumen verkauft, genauso zu, wie in das Wohnhaus von Henry Higgins und Oberst Pickering: vom Sprachstudio im Keller bis zum Ausguck auf dem Dach und vom Vorgarten mit Herrenhausen-Appeal bis zur Pferderennbahn in Ascot. Hier können Herz und Sinne eintauchen in eine knallig-bunte Welt, in der sprachlich alles besser werden soll. Professor Higgins zumindest gibt sich da redlich Mühe. Klaus Schreiber gibt ihm viele rührende und noch mehr komische Facetten, versprüht – subtil im Wort und klangvoll im Gesang, liebenswürdig und gescheit – Optimismus in fanatischem Erziehungsbemühen und möchte im Boden versinken, wenn Eliza in Gesellschaft der feinen Damen so gänzlich versagt.

Als Eliza ist Winnie Böwe »entzückend ordinär«. Wie sie frech kokett ist, empört und verletzt, wie sie Anmut und Übermut mischt und Affektiertheit und Natürlichkeit durcheinanderwirft, das ist bezaubernd und lässt auch gesanglich keine Wünsche offen. Einen wunderbar alkoholseligen Alfred Doolittle gibt Frank Schneiders und ein Gentleman mit Distanz ist Roland Wagenführer als Oberst Pickering. Kein Zweifel, »My Fair Lady« in Hannover hat das Zeug zum ständig ausverkauften Dauerbrenner.«

+ 06.10.09 + Cellesche Zeitung + Hartmut Jakubowsky +

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