Tanzende Seelen

Volle Kraft nach innen: »Tristan und Isolde« in einer Inszenierung von Stephen Langridge eröffnet die Saison an der Staatsoper Hannover

In der für europäische Augen exotischen japanischen Tanzkunst findet der Regisseur treffende, poetische Bilder wie die anfängliche Verschmelzung der beiden Liebenden, später auch für ihr Leiden und für den Tod.[...] Damit sind sie ein wesentliches Element von Langridges stark verinnerlichter Sicht auf das Stück. [...] „Tristan und Isolde“ ist bei ihm – genau wie beim Dichter und Komponisten Wagner – ein Stück über die Liebe in ihrer radikal vergeistigten Form.

Dazu passen die opulent-abstrakte Lichtgestaltung von Susanne Reinhardt, die der Grenze zum Kitsch oft nahekommt, ohne sie je zu überschreiten, und die kühle, aber elegante Ausstattung von Conor Murphy. [...]

 

Wesentlich eindeutiger ist Will Humburg am Pult des Niedersächsischen Staatsorchesters. [...] Mit sehr großen, sehr klaren Bewegungen stürzt er sich in die Klangfluten und sorgt so immer wieder für Energieschübe aus dem Orchestergraben. [...]

 

Ihre (Kelly Gods) Isolde verfügt über scheinbar unbegrenzte Reserven und hat sich doch etwas angemessen Mädchenhaftes bewahrt. Der Liebestod, der längst nicht so „mild und leise“ abläuft, wie er beginnt, ist eine beeindruckende Demonstration ihrer stimmlichen und musikalischen Kräfte.

 

[...] Robert Künzli bewährt sich [...] als zuverlässiger Heldentenor [...]. Elegant und warm tönt Khatuna Mikaberidze als Brangäne, Stefan Adam wirkt als ihr Gegenüber Kurwenal dagegen etwas verletzlicher, als die rustikale Partie es vorsieht. Tobias Schabel ist ein volltönender König Marke, und auch Nebenrollen sind mit Sängern wie Simon Bode als Steuermann exzellent besetzt.

+ 18.09.18 + Hannoversche Allgemeine Zeitung + Stefan Arndt +

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