Ruhe im Karton

Noch bevor der erste Ton erklingt, lässt sich ahnen, dass dies ein interessanter Abend werden könnte. Als der Vorhang den Blick auf die Bühne freigibt, geht ein überrascht staunendes Raunen durch den Zuschauerraum der Staatsoper. Hermann Feuchter hat für Manfred Trojahns 1998 uraufgeführte Oper „Was ihr wollt“ weniger ein Bühnenbild als eine spektakuläre Installation gebaut. […]

 

Der Komponist versetzt die ursprüngliche Komödie in einen Zustand der permanenten Erregung. Die Musiker des Staatsorchesters haben dafür eine Notenmenge zu bewältigen, die sonst für einen ganzen Monat reicht. Wie ein Schwarm Kolibris schwirren und sirren aberwitzige Läufe zwischen Streichern und Bläsern hin und her. Wenn an einer Stelle für einen Moment Ruhe einkehrt, fliegen die Töne andernorts nur umso gehetzter wieder auf. Dirigent Mark Rohde bewahrt dabei mit staunenswerter Gelassenheit die Übersicht – und die Musiker lösen ihre nicht immer dankbaren Aufgaben mit echter Brillanz. […]

 

Im Schatten des Kistenbaums entfaltet seine Inszenierung darüber hinaus immer wieder auch eine melancholische Poesie, die der eher auf gut geschmierte Theatermechanik gerichteten Partitur manchmal fehlt. So ergibt sich eine ebenso hörens- wie sehenswerte Produktion mit sehr guten Sängern, […].

+ 10.12.18 + HAZ + Stefan Arndt +

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