Lustreise

Gioacchino Rossinis "Die Reise nach Reims" kommt in der hannoverschen Staatsoper sehr gut an

[...] bei der Premiere im hannoverschen Opernhaus kam diese »Reise nach Reims« sehr gut an: Es gab einstimmigen und lauten Beifall [...] Selbstverständlich ist so ein Erfolg nicht, denn Rossinis »Dramma giocoso« ist ein kurioses Stück: ein Opernsoufflé – luftig, aber nicht leicht. Ein Nichts an Handlung, aber schwer zu stemmen. [...] Umso eindrucksvoller, wie das Ensemble der Staatsoper Hannover hier mit Teamwork und Powerplay überzeugte. [...] wie diese Inszenierung mit den Übertiteln spielt, das allein ist schon ein paar Lachtränchen wert. Das alles funktioniert deshalb so gut, weil die Spannung zwischen den Nichtigkeiten des Lebens und der Ernsthaftigkeit der musikalischen Gefühle gewahrt bleibt. Wenn sich die Contessa di Folleville (umwerfend: Nicole Chevalier) über die Unbilden des Schicksals echauffiert, dann muss die Musik ihr Leiden glaubhaft machen, auch wenn es beim vermeintlichen Verlust nur um einen verlorenen Hut geht. Gregor Bühl am Pult des erfreulich geistesgegenwärtigen und klangvollen Niedersächsischen Staatsorchesters hält nicht nur die Maschinerie von Rossinis Musikwalze perfekt in Gang, er sorgt auch für Zwischentöne, für musikalischen Klimawechsel. Eine souveräne Leistung. [...] In einer Oper, die schon einmal 14 Solisten zum Zwischenfinale versammelt, muss sich ein Komponist etwas einfallen lassen, wenn er sich zum Finale steigern will. Hier ist es ein musikalisches Selbstporträt der Nationen. Und da erlauben sich Regisseur Davids und sein Dramaturg Ulrich Lenz auch ein paar Freiheiten mit dem Text.

+ 12.04.10 + Hannoversche Allgemeine Zeitung + Rainer Wagner +

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