Ein Flughafen voller Narren

Viel Premierenbeifall in der Staatsoper für Rossinis rare "Reise nach Reims"

[...] Die Staatsoper hat Rossinis selten aufgeführte »Reise nach Reims« mit einem Humor aufgetankt, der so wirkungssicher abbrennt wie eine Ladung Kerosin – angezündet von Regisseur Matthias David, der hier auch schon das »Weiße Rössl« auf Trab gebracht hatte. [...] Rossini hat einen Käfig voller Narren, von dem auch gesungen wird, auf der Bühne versammelt. Baron di Trombonok (Shavleg Armasi) kommt als typischer Deutscher daher, an diesem Abend als Mooshammer. Don Prudenzio (Young Myoung Kwon) ist ein durchgeknallter Arzt, Graf Libenskof (Sung-Keun Park) ein bäriger Russe (in Generalsuniform). Jede Nationalität wird, wie der britische Lord (Tobias Schnabel), von Komponist und Regie mächtig durch den Kakao gezogen. Vorsichtig und verantwortungsbewusst wurde der Text an manchen Stellen und zum größeren Gaudium der Zuschauer in die Gegenwart geholt. Und was in Hannovers Ensemble an schauspielerischer Komik steckt, machte auch dieser Abend deutlich. Wenn da beispielweise zu den aberwitzigen Rossini-Koloraturen abgehottet wird. So macht »Let’s Dance« Spaß. Dirigent Gregor Bühl hielt die Oper mit Übersicht und Vorsicht in der Luft, vermied durch eher verhaltene Tempi mögliche Turbulenzen – und war den Sängern (koloraturensicher auch Ania Vegry als Madama Cortese, Monika Walerowicz als Marchesa Malibea und Frank Schneiders als Don Profondo) ein zuverlässiger Flugbegleiter. Riesenjubel für das komplette Regieteam. Und das Ende per Übertextanlage, dass man doch bitte nichts im Flieger vergessen möge. So macht Rossini richtig Spaß.

+ 12.04.10 + Neue Presse + Henning Queren +

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