Blaue Stunde im Ballhof eins

Kindgerecht, aber nicht kindisch: Die Junge Oper zeigt im Ballhof eins "Die Schneekönigin" nach Hans Christian Andersen

"Es gehört zum Prozess des Erwachsenwerdens, dass man vom rechten Weg abkommt, auf die bösen inneren Stimmen hört, den Versuchungen des schönen Scheins erliegt, immer wieder stolpert und sich wieder aufrappeln muss. All das gehört dazu, und all das steckt drin in Daan Mannekes »Die Schneekönigin«, die jetzt in der Inszenierung von Dorothea Schroeder im Ballhof ein Premiere hatte. [...] [Kay] gerät in den Bann und das Reich der Schneekönigin (in Schönheit zur Salzsäure erstarrt: Tiina Lönnmark) und mutiert sogleich zum aggressiven Nihilisten: »Du stinkst«, giftet er Gerda an, denn: »Was lebt, stirbt, und was stirbt, stinkt.« [...] Gerda also macht sich auf, ihren Freund zu retten. Ein magischer Stein hilft ihr. Sie trifft ein paar seltsame Vögel, einen vernarrten Prinzen (überzeugendster Sänger: Seongsoo Ryu) und Räuber, die aussehen, als seien sie Ronja Räubertochters Mattisburg entfleucht; der bräsige Bonk wird zum Liebling der Premierenkinder. Eine Bande singender Dämonen kommentiert das Geschehen wie die Parodie eines antiken Chores. Viele ironische Brechungen machen diese Kinderoper auch für Erwachsene zum Vergnügen [...]. Und am Ende gibts sogar noch eine Moral von der Geschicht’: dass man Schwächen zulassen muss, um stark zu sein. Auch das gehört zum Großwerden dazu."

+ 28.01.11 + Neue Presse + Stefan Gohlisch +

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