Und wie klingst du?

Interkultureller Ohrenöffner

ab 3 Jahren

Premiere | Mi 18.04.18 | 10:30 | in der Kindertagesstätte "In den Sieben Stücken" Hannover

  • Youssef Nasif, Stella Motina
    © Jakob Schnetz
  • Youssef Nasif, Stella Motina
    © Jakob Schnetz
  • Stella Motina, Youssef Nasif
    © Jakob Schnetz
  • Youssef Nasif, Stella Motina
    © Jakob Schnetz
  • Youssef Nasif, Stella Motina
    © Jakob Schnetz
  • Youssef Nasif, Stella Motina
    © Jakob Schnetz
  • Stella Motina, Youssef Nasif
    © Jakob Schnetz

ZUM STÜCK

Jede und jeder klingt anders. Manche Leute sprechen eine andere Sprache, manche reden auch gar nicht. Was dann? Kann man sich vielleicht anderweitig verständigen?

Das mobile Musiktheater »Und wie klingst du?« ist Musik, Theater und Begegnung – ohne Worte. Kinder ab 3 Jahren und Erwachsene haben Teil an einem szenisch-musikalischen Dialog: Eine Sängerin und ein Kanun-Spieler sind neugierig auf das Gegenüber, haben aber unterschiedliche musikalische Sprachen. Sie »reden« aneinander vorbei, streiten, fragen, schweigen und lernen schließlich, sich zu verstehen.

 

Bei der Entwicklung von »Und wie klingst du?« trafen menschlich wie künstlerisch treffen Welten aufeinander: eine Opernsängerin auf einen Kanun-Spieler auf eine Musiktheater-Regisseurin – und sie alle gemeinsam auf die Kinder der Städtischen Kita »In den Sieben Stücken«, die den Entstehungsprozess begleiteten und damit aktiv an der Konzeption beteiligt waren.

 

Die Junge Oper Hannover gastiert ab Mitte April 2018 mit »Und wie klingst du?« auf Anfrage in Kindergärten. Die Gruppenstärke liegt bei maximal 40 Kindern. Durch den Verzicht auf Sprache in Form deutscher Dialoge oder Gesangstexte kann das Stück unabhängig von Alter, Muttersprache und Vorbildung verstanden werden und ist somit auch für inklusiv und interkulturell arbeitende Kitas ausgelegt. Da kein Klavier benötigt wird, kann an fast allen Orten gespielt werden.

 

Kontakt und Buchung: eva-maria.koesters@staatstheater-hannover.de oder Telefon (0511) 9999 1085.

 

 

 

Förderpreis Musikvermittlung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Musikland Niedersachsen gGmbH

 

Laudatio zu »Und wie klingst Du?«

Wie klinge ich und wie klingst du? Welche Sprachen spreche oder verstehe ich und kann ich mich auch ohne Worte, ganz ohne Sprache, verständigen? – Das Konzept »Und wie klingst du?« hat den begehrten Förderpreis Musikvermittlung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Musikland Niedersachsen gGmbH erhalten und ich freue mich sehr, als Jurymitglied und Freundin der Musiktheaterpädagogik der Staatsoper Hannover nun eine Laudatio auf diese neue Produktion der Jungen Oper halten zu dürfen.

 

»Und wie klingst du?« ist konzipiert als ein interkulturelles Musiktheater ohne Worte. Es soll Kinder ab 3 Jahren erreichen, Kinder ohne wie auch Kinder mit Migrationshintergrund bzw. Einwanderungsgeschichte. Einen Moment lang habe ich überlegt, nach dem Vorbild des Musiktheaterstücks eine szenisch-musikalische Rede ohne Worte zu halten. Aber schließlich ist es doch eine Rede mit Worten geworden, noch dazu in deutscher Sprache. – Jede und jeder klingt eben anders.

Sprache wird oft als Schlüssel zur Kultur und zur Integration bezeichnet. Ohne Zweifel ist die Sprache ein sehr wichtiges Element für eine gelingende Sozialisation und Bildungslaufbahn, aber der Stellenwert der nonverbalen Kommunikation sollte dennoch nicht unterschätzt werden. Am eingereichten Konzept faszinierte uns in der Jury besonders, dass es kein Konzept ist für ein Musiktheater, das deutsche Sprachkenntnisse bei Kita-Kindern voraussetzt oder nur bestimmte Gruppen von Kindern anvisiert. Es ist vielmehr ein mobiles Musiktheater ohne Worte, das potenziell alle Kinder einer Gruppe am gewohnten Ort, in der Kita, erreicht und ihnen als ein interkultureller Ohrenöffner eine tiefe musikalisch-ästhetische Erfahrung ermöglicht.

 

Die besonderen Qualitäten des Stücks, die wunderbar in der heutigen Premiere zur Geltung kamen, fasse ich in drei Punkten zusammen:

 

1. Musik, Theater und Begegnung ohne Worte

»Und wie klingst du?« thematisiert mittels Musik und Theater nicht nur die menschliche Sinneswahrnehmung, insbesondere das Hören und Sehen, sondern auch zwischenmenschliche Gefühle und Begegnungen. Die Wahrnehmungs- und Empathiefähigkeit, ja Resonanzfähigkeit der Kinder wird angeregt und gefördert. Das Musiktheaterstück kann unabhängig von der jeweiligen Muttersprache und von musikalisch-sprachlicher Vorbildung verstanden werden, da komplett auf Sprache in Form einer Rahmenerzählung oder von Dialogen oder Gesangstexten verzichtet wird. Es eignet sich somit in besonderem Maße für Kitas, die – wie aktuell die überwiegende Anzahl in Deutschland – auch von neu zugewanderten Kindern bzw. Kindern mit Einwanderungsgeschichte besucht werden und ist auch für Kinder mit Behinderung attraktiv.

Neugier, Flirt, Ablehnung, Verständigung, Freude, Provokation, Beleidigung, Streit, Trauer, Schweigen, Versöhnung und vieles mehr – im nonverbalen szenisch-musikalischen Dialog wird eine vielschichtige Begegnung und Beziehung zwischen zwei Menschen anschaulich lebendig und nachvollziehbar. Die Kinder können an den sehr intensiven Emotionen der beiden Figuren teilhaben und erkennen, dass eine Verständigung auch ohne Worte möglich ist.

 

2. Inter- bzw. transkultureller Ohren-, Augen- und Herzensöffner

Das Stück verkörpert in mehreren Dimensionen einen inter- bzw. transkulturellen Dialog. Die Sängerin Stella Motina ist ukrainischer Abstammung, studierte an den Hochschulen in Moskau und Hannover und ist seit dieser Spielzeit ein festes Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover. Der Musiker Youssef Nasif stammt aus Syrien, studierte in Damaskus Musik und lebt seit 2013 in Deutschland. Die vielfältige Musik ist nicht einseitig eurozentrisch, sondern integriert Elemente aus verschiedenen Musikkulturen. So spielt Youssef etwa auf seinem Lieblingsinstrument, der orientalische Kastenzither Qanun. Stella und Youssef agieren auch szenisch. Es wird offenkundig, dass in Bewegung, Gestik und Mimik – besonders auch im Zusammenhang mit Musik – vieles kulturell übergreifend unmittelbar verständlich ist. Mal leise und nachdenklich, mal verzweifelt, wütend und fordernd, dann wieder hoffnungs- und liebevoll – Stella und Youssef bieten wundervolle Identifikationsmöglichkeiten. Sie können Vorbilder sein für musikalische Neugier und Explorationslust, für die Freude am Singen und am experimentellen Umgang mit der eigenen Stimme, für kulturell weit geöffnete Ohren und Augen. Zudem sind sie auch emotionale Vorbilder im interkulturellen Feld, zum Beispiel für die Versöhnung nach einer Beleidigung oder einem handfesten Streit.

 

3. Partizipation

»Und wie klingst du?« zeichnet sich nicht durch viele Mitmach-Aktionen während der Aufführung aus, wie sie seit einiger Zeit in der Musikvermittlung für Kinder modisch sind. Trotzdem ist das Stück zutiefst partizipativ, indem es verschiedene Beteiligungsprozesse und Formen musikalisch-ästhetischer Teilhabe ermöglicht.

Das Stück wurde im Verlauf mehrerer Monate partizipativ entwickelt und weiterentwickelt, hier in dieser Kita, gemeinsam mit Kindern. Dass Kinder diesen Alters im Prozess der Stückentwicklung als Expertinnen und Experten gefragt waren, dass sie in Entscheidungen einbezogen wurden, Ideen äußern und Musiktheater mitgestalten durften, ist keine Selbstverständlichkeit. Aus dieser ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte resultiert eine besondere Qualität der Arbeit, die sehr nah an den Kindern ist.

Eine andere partizipative Ebene wird bei den Aufführungen erreicht – auch für Kinder, die nicht an der Entwicklung beteiligt waren. Es handelt sich dabei um die implizite Ebene des musikalisch-ästhetischen Erlebens und der Erfahrung, die manchmal – aber längst nicht immer – an begleitenden äußeren Reaktionen der Kinder (Mimik, Gestik, Einsatz der Stimme u.a.) sichtbar wird. Aufgrund der partizipativen Entwicklung des Stücks erscheint es sehr wahrscheinlich, dass die Themen, die auf die Bühne kommen, quasi den Nerv der jungen Zuhörenden treffen und durch eine starke innere Beteiligung eine nachhaltige ästhetische Erfahrung ermöglicht wird.

Ich bin überzeugt davon, dass viele Kinder, die »Und wie klingst du?« künftig miterleben dürfen, begeistert werden von der Welt des Theaters und der Musik und dass sie durch dieses Stück erfahren, dass Kunst etwas mit ihnen und ihrem Leben zu tun hat.

 

Herzlichen Dank an das gesamte Team der Staatsoper bzw. Jungen Oper Hannover, insbesondere an Friederike Karig (Stückentwicklung und Inszenierung), Veronika Kaleja (Bühne und Kostüme), Christopher Baumann (Konzept und Dramaturgie), Maike Fölling (Konzept und Produktionsleitung), Kirsten Corbett (Musiktheaterpädagogik) und natürlich an Stella Motina und Youssef Nasif, die sich wunderbar auf das Konzept eingelassen haben und denen die Rollen wie auf den Leib geschrieben sind.

Schließlich das wichtigste: die Kinder und die Unterstützung der Kita. Ohne die kooperativen Erzieherinnen und Erzieher und vor allem ohne euch Kinder hätte das Stück nicht in der Art und Weise entstehen können. Vielen Dank für eure Beteiligung, für Neugier, Fragen, Ideen und eure große Spiellust!

Leitungsteam

Leitungsteam

Stückentwicklung und Inszenierung
Friederike Karig
Bühne und Kostüme
Veronika Kaleja
Konzept und Dramaturgie
Christopher Baumann

Besetzung

Besetzung

Solistin
Stella Motina
Musiker
Youssef Nasif

Theaterpädagogische Angebote

Theaterpädagogische Angebote

Produktion empfohlen ab 3 Jahren

 

Musiktheaterpädagogisches Angebot für Erzieher erhalten Sie unter eva-maria.koesters@staatstheater-hannover.de oder Tel. (0511) 9999 1085