4. Sinfoniekonzert 2018/2019

Werke von Schostakowitsch, Prokofjew und Bartók

Dirigent: Ivan Repušić | Solist: Boris Brovtsyn (Violine)

So 24.02.19 | 17:00 | Einführung 16:15 | Opernhaus

Abonnement: Konzert-Abo Sonntag

  • Boris Brovtsyn
  • Ivan Repušić
    © Thomas M. Jauk
  • Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
    © Thomas M. Jauk / Stage Picture

ZUM STÜCK

Dmitri Schostakowitsch Ballettsuite Nr. 1 (1949)

Sergei Prokofjew Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 63 (1936)

Béla Bartók Konzert für Orchester (1943)

 

Die politischen Krisen des 20. Jahrhunderts bedeuteten auch künstlerische Krisen für Komponisten – etliche flohen ins Exil. Sergei Prokofjew traf in diesem Zusammenhang die volle Ironie des Schicksals: Sein 2. Violinkonzert ist geprägt einerseits von großzügigen Kantilenen, die von der Musik seiner Heimat inspiriert sind, andererseits drängt es im Sinne seiner Vorstellungen einer »Neuen Einfachheit« in der Musik mit motorischem Drive voran, versprüht Optimismus. Nach der Uraufführung des Werks kehrte er nach Jahren der Emigration endgültig in die UdSSR zurück – nur, um wenige Zeit darauf durch das stalinistische Regime in ein inneres Exil getrieben zu werden.

Ähnlich erging es Dmitri Schostakowitsch, dessen drei Ballette »Das goldene Zeitalter«, »Der helle Bach« und »Der Bolzen« inhaltlich zwar unverfänglich waren, doch galt deren Musik als westlich-dekadent und formalistisch. Es folgten Jahre der inneren Emigration und der Ächtung seiner Ballettmusik, die erst ab Ende der 1940er-Jahre wieder erfolgreich aufgeführt werden konnten.

Sowohl biographisch als auch kulturell war Heimatlosigkeit für Béla Bartók zeitlebens ein Thema: Bartók stemmte sich gegen das Auseinanderdriften der Musiksprachen in diesem zerrissenen Jahrhundert, kämpfte in seiner Musik um Kontinuität. Im amerikanischen Exil ab 1940 gab Bartók das Komponieren auf, bis er im Auftrag des Boston Symphony Orchestra mit dem »Konzert für Orchester« ein virtuoses Werk schuf, in dem er alle seine musikalischen Erfahrungen zusammenfasste: Es zeichnet sich aus durch immensen Zitaten- und Anspielungsreichtum, durch ironische Verzerrung hin zum Grotesken, die oberflächlich als Beschreibung seines Lebens in den hektischen USA gesehen werden kann. Zugleich formuliert Bartók mit dem Finalsatz auch seinen Glauben an eine Überwindung unterschiedlicher politischer und künstlerischer Strömungen durch eine utopische Völkerverbrüderung in einem überschäumenden Volkstanz.

Leitungsteam

Besetzung

Solist (Violine)
Boris Brovtsyn
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover