Oedipus Rex* / Psalmensinfonie*

von Igor Strawinsky

»Oedipus rex«

Opern-Oratorium (1926–27/48)

Libretto von Jean Cocteau nach der Tragödie »Oidipus tyrannos« von Sophokles, lateinisch von Jean Daniélou

»Psalmensinfonie«

für Chor und Orchester (1930 / 48)

In lateinischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Auf dem Spielplan seit der Premiere der konzertanten Aufführung am 27. April 2019

Mi 01.05.19 | 18:30–20:10 | konzertant | Opernhaus

Abonnement: Mittwoch 6 (19:30 Uhr)

  • Mechthild Großmann (Sprecherin)
    © Jörg Landsberg
  • Khatuna Mikaberidze (Jokaste), Gihoon Kim (Bote), Raymond Very (Oedipus), Herrenchor
    © Jörg Landsberg
  • Khatuna Mikaberidze (Jokaste), Raymond Very (Oedipus)
    © Jörg Landsberg
  • Mechthild Großmann (Sprecherin)
    © Jörg Landsberg
  • Gihoon Kim (Bote), Raymond Very (Oedipus)
    © Jörg Landsberg
  • Chor der Staatsoper Hannover
    © Jörg Landsberg

ZUM STÜCK

»Die wahre Tradition ist nicht Zeuge einer abgeschlossenen Vergangenheit; sie ist eine lebendige Kraft, welche die Gegenwart anregt und belehrt.« So bekannte Igor Strawinsky 1939 in einer Harvard-Vorlesung zur musikalischen Poetik. Die lebendige Kraft der Tradition durchzieht sein ganzes, epochales Œuvre mit all seinen die Musikwelt mitunter irritierenden Wandlungen: von der spätromantisch schillernden Farbigkeit eines »Feuervogel« über den elektrisierenden Jahrhundertskandal des »Sacre du Printemps« und seine neoklassizistische Phase bis zur Aneignung zwölftöniger Verfahren im Spätwerk.

Die Tradition als lebendige Kraft prägt auf besondere Weise auch die zwei Hauptwerke seiner neoklassizistischen Phase: das »Opern-Oratorium« »Oedipus Rex« und die »Psalmensinfonie«. In beiden Werken vertont Strawinsky geradezu archaische Texte – hier den Oedipus-Mythos in der Dramatisierung des Sophokles aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, dort alttestamentarische Psalmtexte aus etwa derselben Zeit. In beiden Werken entscheidet sich Strawinsky nicht für den historischen Originaltext (hier griechisch, dort hebräisch), sondern für die Übertragung ins Lateinische. »Welche Freude bereitet es, Musik zu einer Sprache zu schreiben, die seit Jahrhunderten unverändert besteht und fast rituell wirkt!«, konstatierte er. Die Übersetzung des »Oedipus«-Librettos von Jean Cocteau durch den jungen Jesuiten und späteren Kardinal Jean Daniélou und die Wahl der spätantiken lateinischen Vulgata für die Psalmen folgen demselben Impuls: den gesungenen Text in die Distanz der überzeitlichen, abstrakten Lehrsprache zu stellen.

In »Oedipus rex« verstärkt eine anti-psychologische Dramaturgie diese Distanz. Ein Sprecher präsentiert in der jeweiligen Landessprache die Episoden vorab: Die Götter strafen die Stadt Theben mit der Pest. Das Orakel hat deren Ursache benannt – der Mörder des früheren Königs Laius lebe immer noch in der Stadt. So schwört König Oedipus, den Mann zu finden. Als Jokaste, Laius’ Witwe und nun Oedipus’ Gattin, erzählt, wie Laius ums Leben gekommen ist, begreift Oedipus, dass er selbst dessen Mörder ist. Jokaste ihrerseits erkennt, dass sie mit Oedipus nicht nur den Mörder ihres früheren Gatten, sondern zugleich ihren eigenen, verloren geglaubten Sohn geheiratet hat. Ihr erscheint Selbstmord als einziger Ausweg; Oedipus blendet sich und verlässt Theben für immer. – Durch die objektivierende Distanziertheit erhält auch Strawinskys Tonsprache eine neue Intensität und Härte: mit einem von Bläsern dominierten Orchester, rhythmischen Ostinati und dem häufig deklamierenden Herrenchor des thebanischen Volkes. Und doch kennt »Oedipus rex« auch opernhafte Elemente, die gerade im Kontrast zu den rituellen Passagen ihre besondere Ausdruckskraft gewinnen.

Von starker Ausdruckskraft ist auch Strawinskys »Psalmensinfonie« – eines der wenigen geistlichen Werke des Komponisten, der russisch-orthodox sozialisiert wurde, doch zeitlebens mit dem Katholizismus sympathisierte. Die Verse aus den Psalmen 38, 39 und 150 thematisieren menschliches Flehen und Bitten ebenso wie Zuversicht und das Lob Gottes. Dem entspricht ein farbenreiches musikalisches Spektrum von polyphon-nüchterner Strenge bis zum religiösen Überschwang des »großen Halleluja«. Durchsichtig und hell wirkt der Klang des Orchesters, in dem Geigen, Bratschen und Klarinetten fehlen. »Man kann über Strawinskys Fähigkeit zur Erneuerung nur staunen«, lobte Francis Poulenc. »Ich grüße Sie, Jean-Sébastien Strawinsky.«

PRESSESTIMMEN

Pressestimmen

Sündenfall und Vergebung Hannoversche Allgemeine Zeitung, 29.04.19
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Die Rachegöttin in Samt Neue Presse, 29.04.2019
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Leitungsteam

Leitungsteam

Musikalische Leitung
Valtteri Rauhalammi
Licht
Susanne Reinhardt
Choreinstudierung
Lorenzo Da Rio
Dramaturgie
Swantje Köhnecke

Besetzung

Besetzung

Chor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Leitungsteam Oedipus Rex (konzertant)

Besetzung Oedipus Rex (konzertant)

Oedipus, König von Theben
Raymond Very
Jokaste, Mutter und Frau des Oedipus
Khatuna Mikaberidze
Kreon, Schwager des Oedipus
Michael Kupfer-Radecky
Teiresias, Seher
Michael Dries
Hirte
Martin Rainer Leipoldt
Bote
Gihoon Kim
Sprecherin
Mechthild Großmann

Theaterpädagogische Angebote

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Produktion empfohlen ab Klasse 11

 

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* in Originalsprache mit deutschen Übertiteln