Was ist ein Konzertzimmer?

Darstellung des neuen Konzertzimmers (Arbeitsmodell), Fotomontage – V. Szynajowski und P. Mendizabal

Ein Konzertzimmer ist ein Bühnenaufbau, der in der Staatsoper für Sinfoniekonzerte benötigt wird, damit der Schall optimal in den Zuschauerraum transportiert wird. Mehr dazu erfahren Sie in dem folgenden interessanten Interview mit Vladimir Szynajowski, Akustiker und Planer des neuen Konzertzimmers.

 

Staatsoper (SO) Herr Szynajowski, Sie planen das neue Konzertzimmer für die Bühne der Staatsoper. Warum benötigen wir ein neues Konzertzimmer, wir haben doch bereits eines?

Vladimir Szynajowski (VS) Das aktuelle Konzertzimmer muss aus statischen Gründen erneuert werden. Im Zuge der Planung haben sich jedoch auch die Notwendigkeit und der Wunsch ergeben, auch aus akustischer Sicht Veränderungen vorzunehmen. Mit dem neuen Konzertzimmer wird der Schall etwas gleichmäßiger auf der Bühne und im Saal verteilt. Für die Orchestermusiker bedeutet das, dass sie sich beim Konzert gegenseitig besser hören; die Zuhörer werden alle Instrumente gleichmäßiger wahrnehmen.

 

SO Was wird mit dem neuen Konzertzimmer anders sein?

VS Bisher sind die Instrumentengruppen durch das Portal und den Eisernen Vorhang stark getrennt. Die Orchester- musiker werden in Zukunft enger zusammensitzen, wobei die Lücke unterhalb des Eisernen Vorhangs durch Zusatzreflektoren geschlossen wird. Dies führt zu einem besseren Gesamtklang des Orchesters. Die Instrumenten- gruppen werden in der Höhe nun auch stärker versetzt sitzen, so dass der Klang direkter in den Zuschauerraum transportiert werden kann und nicht durch davor sitzende Musiker behindert wird. Es wird einen neuen eigenen Naturholzboden geben, der nicht nur zu einer akustischen Verbesserung führen wird, sondern das Orchester auch optisch stärker als Einheit wirken lässt.

 

SO Wie gehen Sie an die Planung des neuen Konzertzimmers heran?

VS Zuerst höre ich mir den Klang an – auf der Bühne bei den einzelnen Musikern und im Zuschauerraum. Danach berechne ich verschiedene Parameter, die für den Klang entscheidend sind: Schallreflexionen, die Schalldiffusität, die spektrale Verteilung der Wellen. Dies ist ein komplexer Vorgang, der über die Form und das Material der Bauteile entscheidet. Zudem müssen statische Erfordernisse berücksichtigt werden und nicht zuletzt spielen auch ästhetische Überlegungen in die Planung hinein. Das neue Konzertzimmer muss leicht auf- und abgebaut werden können, für viele Jahre stabil bleiben und soll auch in 15 Jahren nicht unmodern wirken.

 

Lesen Sie hier das vollständige Interview mit dem Akustiker Vladimir Szynajowksi. 

 

Technische Informationen:  

Dreidimensionale Darstellung des neuen Konzertzimmers (Frontalansicht; Blick aus dem Zuschauerraum) Die roten Elemente stellen die Bauteile des neuen Konzertzimmers dar.

Dreidimensionale Darstellung des neuen Konzertzimmers (Frontalansicht; Blick aus dem Zuschauerraum) Die roten Elemente stellen die Bauteile des neuen Konzertzimmers dar.

 

 

Die Grundfläche des neuen Konzertzimmers beträgt in der Tiefe dreizehn Meter und nutzt mit seiner Breite von sechzehn Metern die Gesamtfläche der Podien aus. Ein großer Vorteil des neuen Konzertzimmers gegenüber statischen Bühnenaufbauten ist dabei seine Flexibilität, denn es ist in den Bühneninnenraum in seiner Tiefe erweiterbar. Dazu tragen die vierzehn verschiebbaren Bühnenelemente (hellrot) bei, die auf Fahrwerken der jeweiligen Konzertsituation angepasst werden können. Die Flexibilität des Konzertzimmers zeigt sich jedoch nicht nur in seiner Tiefen-, sondern auch in seiner Höhenverstellbarkeit: Vier Ausgleichspodeste (schwarze Fläche) mit einer Tiefe von ein bis eineinhalb Metern sorgen in Verbindung mit dem höhenverstellbaren Bühnenpodien dafür, dass sich die Musiker auf der Bühne in der richtigen Entfernung und der richtigen Höhe zueinander befinden. Je nach Anzahl der Musiker und Anordnung der Instrumentalgruppen, kann sich das größtenteils aus Holz bestehende Konzertzimmer dadurch in den Bühnenraum einpassen.

 

Dreidimensionale Darstellung des neuen Konzertzimmers (Seitenansicht; Bühne links, Zuschauerraum rechts)

Dreidimensionale Darstellung des neuen Konzertzimmers(Seitenansicht; Bühne links, Zuschauerraum rechts)

 

 

Sechs Plafonds mit einer Fläche von insgesamt 384 Quadratmetern hängen von der Bühnendecke und »schließen« das Konzertzimmer nach obenhin ab. Die nach akustischen Messungen entworfenen hölzernen Deckenelemente sind ebenfalls variabel – eine Eigenschaft, die durch die Zuganlage der Bühnendecke ermöglicht wird und abermals die vielseitige Anpassungsfähigkeit des Konzertzimmers hervorhebt. Mit ihrer gefrästen Oberfläche bieten die Deckenplafonds den Musikern eine gute Selbstwahrnehmung und auch dem Publikum beste akustische Bedingungen für den ungestörten Konzertgenuss. 

Beleuchtet wird das Konzertzimmer durch Beleuchtungselemente, die zwischen den Plafonds hängen sollen. Die Verwendung von bereits im Opernbestand befindlichen Materialien ist vorgesehen, zudem sollen bei der Konstruktion des neuen Konzertzimmers einige Teile des alten Konzertzimmers, wie zum Beispiel die Fahrwerke der Bühnenelemente, wiederverwendet werden.