Klangbrücken

FESTIVAL

 

Im Fokus des diesjährigen »Klangbrücken«-Festivals steht der 1936 in New York geborene Steve Reich, einer der originellsten Pioniere der »minimal music«, dessen Werke auch jenseits der Neue-Musik-Szene große Beachtung gefunden haben, ja zum Teil geradezu populär geworden sind. Mit ihren repetierten, übereinander gelagerten und phasenverschobenen rhythmischen Mustern rückte Reichs Musik einen in der europäischen Nachkriegsavantgarde oft verpönten Aspekt in den Mittelpunkt: den durchgehenden Puls, der den Klängen trotz der entstehenden rhythmischen Komplexität eine meditative, fast hypnotische Wirkung verleiht. Harmonische Strukturen treten dabei in den Hintergrund und erscheinen in stark vereinfachter Form als konstante tonale Zentren, die die Wahrnehmung öffnen für die minimalen Veränderungen des bewegten Klangs. Damit aber stieß Reich Ende der 1960er-Jahre gerade bei der jüngeren Generation auf offene Ohren, zumal es auffallende Berührungspunkte sowohl zur zeitgleichen Pop- und Rockmusik als auch zu außereuropäischer, vor allem afrikanischer und indischer Musik gab. Zur Wirkung seiner Musik bemerkte Reich, es sei wie »eine Schaukel in Bewegung setzen und beobachten, wie sie allmählich zum Stillstand kommt … eine Sanduhr umdrehen und zuschauen, wie der Sand langsam zu Boden rinnt … seine Füße am Meer in den Sand stecken und zuschauen, hören und fühlen, wie die Wellen sie langsam eingraben.«