Niedersächsische Erklärung der Vielen

 

Ich wäre gerne auch weise

In den alten Büchern steht, was weise ist:

Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit

Ohne Furcht verbringen

Auch ohne Gewalt auskommen

Böses mit Gutem vergelten

Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen

Gilt für weise.

Alles das kann ich nicht:

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Bertolt Brecht (1939)

 

Die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland ist eine positive. Unser Land ist bunter geworden und weltoffener. Daraus resultieren neue Fragen zum gesellschaftlichen Miteinander, für die wir gemeinsam Antworten finden müssen. Diese Anstrengung wird allerdings zunehmend auch von Populist*innen unternommen, die Ängste schüren und die eingeschlagene Entwicklung zurückdrehen wollen. Diesen Kräften wollen die niedersächsischen Kulturinstitutionen mit ihrem Handeln entgegenwirken und sich mit vermittelnder und aufklärerischer Haltung einbringen.

 

Demokratie ist nie ohne Widersprüche und muss täglich neu verhandelt und verteidigt werden. Als Kulturschaffende sind wir uns unserer Verantwortung diesbezüglich bewusst. Nach zwei Diktaturen auf dem Boden dieses Landes, der faschistischen Gewaltherrschaft mit immensen Verbrechen und einer sozialistischen Diktatur, sind wir in besonderer Weise sensibilisiert. Jeglicher ideologischen Bevormundung, menschenverachtenden Propaganda und extremistischen Bedrohung unserer freiheitlichen Gesellschaft treten wir entschieden entgegen, auch mit unserer künstlerischen Arbeit. Indoktrination, gleich welcher Art, wehren wir ab. Die Freiheit der Meinungsäußerung ist eine der wichtigsten Errungenschaften und Voraussetzungen unseres Gemeinwesens. Sie ist unabdingbar, gerade auch für die Kunst. Mit ihren gelegentlich auch provokanten Ideen und Utopien treibt sie die notwendige gesellschaftliche Entwicklung mit voran. Die vom Grundgesetz garantierten Rechte dabei vehement zu verteidigen, ist unsere Aufgabe. Dezidiert werden wir uns daher immer wieder ausdrücklich und mit den Mitteln der Kunst gegen die Diffamierung Andersdenkender, gegen rassistisch motivierte Gewalt, gegen die Unterdrückung sexueller Orientierungen, gegen Zensur und für das Recht auf freie Meinung positionieren. Mit dieser Haltung wollen wir gemeinsam mit vielen anderen Kulturinstitutionen in Deutschland dazu beitragen, unsere freiheitliche Grundordnung zu bewahren und damit auch die Freiheit der Künste.

 

Was wir konkret tun wollen:

 

  • Als Unterzeichner*innen sind Kultureinrichtungen, Kunstinstitutionen, Theater, Museen und Interessenvertretungen oder Verbände, Künstler*innengruppen sowie Einzelpersonen angefragt. Eine Unterzeichnung ist natürlich auch noch nach der Veröffentlichung möglich.
  • Mit der Unterzeichnung erklären sich die Leitungspersonen oder das Leitungsteam bereit, den Text der Erklärung innerhalb der eigenen Organisation unter Mitarbeiter*innen, Ensemblemitgliedern, Kurator*innen, Publikum und Besucher*innen bekannt zu machen und zur Diskussion zu stellen.
  • Die Unterzeichnenden verpflichten sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultureinrichtungen und Akteur*innen der Künste, die durch Hetze und Eingriffe in die Freiheit der Kunst unter Druck gesetzt werden und wehren Versuche von wem auch immer ab, Kultur für eigene Zwecke zu instrumentalisieren.
  • Die Erklärung wird am 21. März 2019 auf der Internetseite, im Programmheft, als Aushang im Foyer, via Pressemitteilung usw. veröffentlicht, die Gestaltung der »Vielen« wird in der Haus- und Webgestaltung aufgegriffen. Die Unterzeichner*innen werden auf der Homepage dievielen.de sichtbar gemacht.
  • Die Unterzeichnenden bleiben durch regelmäßige Treffen im Austausch miteinander und beteiligen sich an der bundesweiten Kampagne zur »Glänzenden Demonstration der Kunst und Kultur – Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!« in Berlin am 19. Mai 2019. Sie führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über Strategien, die die Gesellschaft der Vielen angreifen und dadurch die demokratischen Grundwerte untergraben. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Institutionen den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.

 

Download der Erklärung HIER

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Die Unterzeichnenden:

  • Leibniz Universität Hannover, Dr. Ole Hruschka (Studiengang Darstellendes Spiel)
  • Schauspiel Hannover
  • Schauspiel Hannover, Barbara Kantel (Leitung Junges Schauspiel/Dramaturgie)
  • Schauspiel Hannover, Sonja Anders (des. Intendantin)
  • Staatsoper Hannover
  • Theatermuseum Hannover, Jutta Rawer
  • Theatermuseum Hannover, Myriam Pechan
  • TANZtheater INTERNATIONAL / Tanz und Theater e.V.
  • Theaterhaus Hildesheim e. V.
  • Staatstheater Braunschweig, Dagmar Schlingmann (Generalintendantin)
  • Staatstheater Braunschweig, Stefan Mehrens (Verwaltungsdirektor)
  • KulturFabrik Löseke, Stefan Könneke (Geschäftsführung)
  • Klecks-Theater Hannover e. V.
  • KinderTheaterHaus Hannover
  • Gesellschaft für Theaterpädagogik Niedersachsen e. V.
  • Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann (Präsidentin
  • LAG Rock in Niedersachsen e. V.)
  • Deutsches Theater Göttingen, Erich Sidler (Intendant)
  • Deutsches Theater Göttingen, Sandra Hinz (Verwaltungsdirektorin)
  • Landesverband Freier Theater in Niedersachsen
  • ZUKUNFTSWERKSTATT IHME-ZENTRUM e.V.
  • Oldenburgisches Staatstheater, Christian Firmbach (Generalintendant)
  • Oldenburgisches Staatstheater, Gesine Geppert (Leiterin Sparte 7)
  • Oldenburgisches Staatstheater, Peter Hailer (Schauspieldirektor)
  • Orchester im Treppenhaus
  • Feinkost Lampe - der Laden für RaumKlangPflege
  • Kestner Gesellschaft, Christina Végh (Direktorin)
  • KunstFestSpiele Herrenhausen, Ingo Metzmacher (Intendant)
  • KunstFestSpiele Herrenhausen, Stephan Buchberger (Chefdramaturg)
  • KunstFestSpiele Herrenhausen, Marlies Leibitzki (Betriebsdirektorin)
  • Kulturforum der Sozialdemokratie in der Region Hannover e.V., Marlis Drevermann (Vorsitzende)
  • Kulturforum der Sozialdemokratie in der Region Hannover e.V., Harald Schandry (stv. Vorsitzender)
  • Agentur für Weltverbesserungspläne - Freies Theater Hannover, Ulrike Willberg (Regisseurin)
  • Agentur für Weltverbesserungspläne - Freies Theater Hannover, Kathrin Reinhardt (Schauspielerin)
  • Agentur für Weltverbesserungspläne - Freies Theater Hannover, Nicholas Stronczyk (Bühnenbildner)
  • Literaturhaus Hannover, Kathrin Dittmer (Leiterin)
  • Festival Theaterformen, Martine Dennewald (Künstlerische Leiterin)
  • THEATER AN DER GLOCKSEE, Jonas Vietzke (Künstlerische Leitung)
  • THEATER AN DER GLOCKSEE, Milena Fischer-Hartmann (Künstlerische Leitung)
  • Museen für Kulturgeschichte der Landeshauptstadt Hannover, Prof. Dr. Thomas Schwark (Direktor)
  • kargah e. V.
  • Landerer&Company
  • Kunstverein Hannover, Kathleen Rahn (Direktorin)
  • Kunstverein Hannover, Sergey Harutoonian (Kurator)
  • Kunstverein Hannover, Olga Isaeva (Pressesprecherin)
  • IQ - Interessengemeinschaft Kultur Hildesheim e.V.
  • Literaturhaus St. Jakobi, Dirk Brall (Intendant)
  • Theater für Niedersachsen, Jörg Gade (Intendant)
  • Musikschule Hildesheim e. V., Detlef Hartmann (Musikschulleiter)
  • Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur in Niedersachsen e. V.